Verfolgung

 

 Warntafeln für Zigeuner vom Tor der Harburg bei Nördlingen 18.Jhd.
 
 
 
Wann und in welcher Weise Roma oder Sinti von Griechenland (im damaligen Byzantinischen Reich) auf den Balkan vorrückten, ist aufgrund des spärlichen Bestands an schriftlichen Quellen kaum zu rekonstruieren. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts sind in Textpassagen aus südosteuropäischen Dokumenten vereinzelt Personengruppen erwähnt, die (v.a. von frühen Tsiganologen) wiederholt als "Zigeuner" angesehen wurden. Bei kritischer Betrachtung scheinen jedoch Zweifel angebracht, ob solche nicht weiter kommentierten Nennungen tatsächlich immer Roma oder Sinti bezeichnen.Aus Serbien ist eine Urkunde erhalten, in der Stefan IV. dem Kloster in Prizren im Jahre 1348 neben Schneidern, Schmieden und Sattlern auch einige "C'ngari" übergab. Möglicherweise handelte es sich bei den Letztgenannten – wie von einigen Forschern behauptet,um Roma. Näher liegend jedoch scheint, dass sie lediglich einer weiteren Handwerkergruppe angehörten, denn in mittelalterlichem Serbisch bedeutete "c'ngar""Schuster".Eine Schenkungsurkunde, die eine ähnlich gelagerte Problematik aufweist, ist auch aus Bulgarien überliefert. In diesem Schriftstück übereignete König Ivan Schischman dem Rila-Kloster 1378 einige Dörfer, unter denen sich auch so genannte "agupovi kleti" befanden. Bulgarische Linguisten übersetzen diese Wortkombination mit "Hirtenhütten". Andere Wissenschaftler hingegen betrachten "aguptivi kleti" als richtige Lesart und meinen, da "Agupti" im Bulgarischen ein Synonym für Ägypter, also "Zigeuner" ist, Zigeunerhütten als Gegenstand der Schenkung zu erkennen.In den Urkunden der altrumänischen Fürstentümer Moldau und Walachei wird mehrfach die Verschenkung ganzer Roma-Gemeinschaften erwähnt. Im Jahr 1385 bestätigte Dan I., Woiwode der Walachei, dem Marien-Kloster Tismana einige bereits von seinem Vorgänger gemachte Schenkungen, zu denen auch 40 Salase ("Zeltgemeinschaften") der Acingani gehörten. Der Nachfolger Dans, Mircea I. schenkte 1388 dem neu gegründeten Kloster Cozia, 300 Salase Roma. Im benachbarten Moldawien übereignete Alexander der Gute dem Kloster Bistritz 1428 31 Salase Tigani und 12 Zelte Tataren. Im Gegensatz zu obigen Dokumenten sind in diesen Urkunden zweifellos Roma gemeint, nicht zuletzt deshalb, weil das rumänische Wort "salas" (Unterkunft) auch die Bedeutung von Zeltgemeinschaft hat.Obwohl dies anhand der spärlichen schriftlichen Quellen nicht zu beweisen ist, kann man davon ausgehen, dass Roma spätestens in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in den Balkanstaaten Fuß fassten. In den Donaufürstentümern waren sie aufgrund ihrer handwerklichen Fähigkeiten äußerst willkommen. Um den unverzichtbaren Wirtschaftsfaktor, den die Roma dort darstellten, auf Dauer zu erhalten, begannen Staat und Kirche schon bald, sie am Reisen zu hindern.Als die Fürstentümer Moldau (1396) und Walachei (1500) dem Osmanischen Reich tributpflichtig wurden, kam der Handel in dieser Region fast ganz zum Erliegen. Die Erträge der Landwirtschaft wurden zu niedrigen Preisen nach Konstantinopel gebracht. Durch das sinkende Einkommen, und eine höhere Steuerlast gerieten die Kleinbauern in Leibeigenschaft. Die Roma gingen in den Besitz des Staates, der Kirche oder der Großgrundbesitzer über und wurden für Jahrhunderte zu Sklaven oder Leibeigenen gemacht. 
 
Ungarn
 
Auch im Königreich Ungarn, das zu jener Zeit neben Siebenbürgen (Transsilvanien) große Teile des früheren Jugoslawien und der ehemaligen Tschechoslowakei umfasste, lässt sich das Eintreffen von Roma nicht genau datieren. Ab 1370 taucht das Wort "Cigan" in verschiedenen Varianten als Familienname auf, die Zugehörigkeit seiner Träger zu den Roma ist jedoch nicht unmittelbar ersichtlich. Von dem im Protokollbuch des Agramer Gerichtes ab 1378 mehrfach erwähnten Nikolaus dem Henker wird nur gesagt, dass er "Cigan"genannt werde ("dictus Cigan"), nicht aber, dass er ein "Zigeuner" sei.Im nordwestlichen Transsilvanien stößt man auf einige an Roma gemahnende geographische Bezeichnungen. Neben einem Dorf, das Cigányvaja hieß, wird eine adelige Familie mit Namen "Zygan" erwähnt. Deren Geschichte lässt sich allerdings bis auf die Landnahme zurückverfolgen, was ihre Roma-Herkunft nahezu ausschließt.Von späteren Quellenpassagen, die sich eindeutig auf Roma beziehen, fehlen leider entsprechende Belege. So zitierte etwa Heinrich von Wlislocki 1890 einen Vermerk, demzufolge die Stadt Brasov (Kronstadt) den "Herrn Emaus aus Ägypten und seine 220 Gefährten" im Jahr 1416 mit Geld und Proviant versorgte. Obwohl sich dieser Vermerk sowohl chronologisch als auch inhaltlich sehr gut in den bekannten historischen Kontext einfügen würde, konnte dafür bis heute kein dokumentarischer Beleg erbracht werden. Dasselbe gilt für einen Geleitbrief des Nikolaus von Gara, den der Palatin während der Abwesenheit König Sigismunds in Ungarn (1416) für Roma ausgestellt haben soll.Unabhängig davon, zu welchem Zeitpunkt die ersten Roma ankamen, ist festzuhalten, dass sie in Ungarn – von Transsilvanien abgesehen – ein weitaus höheres Maß an Toleranz vorfanden als in anderen Ländern. Da ihre Kenntnisse auf dem Gebiet der Metallverarbeitung und der Waffenerzeugung sehr begehrt waren, standen sie unter besonderem Schutz des Königs. Jede private Nutzung ihrer Dienste bedurfte königlicher Zustimmung. So mussten etwa die Bürger von Hermannstadt 1476 eigens die Erlaubnis von Matthias Corvinus einholen, bevor sie Roma in den Vorstädten arbeiten lassen durften.

Als die ersten Sintifamilien Anfang des 15.Jahrhunderts den Boden des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation betraten,hatte ihr Volk einen weiten Weg zurückgelegt.Als ältester urkundlicher Beleg für das Auftreten von "Zigeunern" in Deutschland gilt ein auf das Jahr 1407 zurückgehender Vermerk in den Hildesheimer Stadtrechnungen 1.Darin wurde festgehalten, dass "am 20. September den Tataren auf der Stadtschreiberei, wo man ihre Briefe prüfen wollte, für einen halben Stüber Wein gegeben" wurde.Ab 1417 vermerkten Chronisten zahlreicher europäischer Städte das Eintreffen von Gruppen, die sie abhängig vom eigenen Wissensstand bzw. den Auskünften der Neuankömmlinge als "Tataren, Egypter, Egiptenleut, Heiden, Sarrasins,Seganer oder bereits als "Zigeuner" bezeichneten. Ihre Stationen waren...1414 Basel - 1417 Augsburg - 1418 Straßburg/Colmar und 1420 Brüssel - 1427 La Capelle. Zehn Jahre nach ihrem ersten Auftreten wurde die Stadt Hildesheim 1417 erneut von "Tataren aus Ägypten" aufgesucht, denen man "Almosen zu Gottes Ehre" gab. Trotzdem ließ die Bürgerschaft ihr Lager sicherheitshalber von zwei Marktknechten bewachen.Neben königlichen Schutzbriefen, verfügten entsprechende Gruppen über Geleitbriefe von anderen weltlichen Würdenträgern. Das älteste Dokument, das nicht aus einer königlichen bzw. kaiserlichen Kanzlei stammt, ist ein 1419 in Châtillon vorgelegtes Schreiben des Herzogs von Savoyen. Garantien einzelner Territorialfürsten waren vor allem in den Gebieten außerhalb des Heiligen Römischen Reiches vorteilhaft, da königliche bzw. kaiserliche Briefe dort keine Gültigkeit hatten.Die erste Erwähnung eines päpstlichen Empfehlungsschreibens fällt in das Jahr 1422. Damals vermerkte der Baseler Chronist in seinem Bericht über das Eintreffen eines Herzogs Michael und seiner Gefolgschaft, dass dieser Schutzbriefe "vom Papst und unserem Herrn, dem König, und von anderen Herren" vorgewiesen hätte. Wenn die Datierung stimmt, so müsste dieser Herzog Michael noch vor einem gewissen Herzog André beim Papst gewesen sein. Von jenem weiß man, dass er im Juli 1422 mit etwa 100 Begleitern in Bologna eintraf und anschließend nach Forlí weiterzog. In der dortigen Stadtchronik, in der übrigens erstmals die indische Herkunft des fremden Volkes erwähnt wird, heißt es, dass die Gruppe Forlí in Richtung Rom verlassen hätte, um den Papst zu sehen. Danach verliert sich ihre Spur. Ob Herzog André in Rom ankam, und eine Audienz bei Papst Martin V. erhielt ist ungewiss.

Bei dem einen Dokument handelt es sich um die oben erwähnte Chronik der norditalienischen Stadt Forli aus dem Jahre 1422, in der es heißt: "Aliqui dicebant, quod erant de India" ("Einige behaupteten, sie seien aus Indien") (Muratori, Script. Rerum italica XIX, 8. – Horváthová 1964).Auf das zweite Dokument, weist Oberrabbiner Karol Efraim Sidon aus der Tschechischen Republik hin. In hebräischer Schrift schildert die "Weltchronik" die Ereignisse im Jahr 1602, als König Phillipp die spanischen kuschim ("Schwarzen") verbannte. Heutzutage werden "Zigeuner" in Spanien Kale´ Schwarze genannt."König Philipp von Spanien verbannte alle kushim (Schwarzen), die in seinem Königreich lebten, sodass sie in ihr Land, Indien, reisen würden, zu dem Ort, wo sie geboren wurden, ihr altes Land. Es gab mehr als 200.000 von ihnen. Und er tat es gegen ihren Willen. Und viele von ihnen starben unterwegs den Hungertod und viele wurden bei Überfällen getötet." (Romano džaniben 1-2/2000, S. 6-7).Diese Serie von weiträumig dokumentierten Wanderungen, markiert den Beginn einer neuen Epoche in der Geschichte mitteleuropäischer Sinti."Zigeuner" erschienen nunmehr in großen von Personen mit hohen Adelstiteln geführten Gruppen.Entsprechend zeitgenössischen Schilderungen,umfaßten solche Gruppen bis zu 300 Personen die zu Fuß oder Pferd unterwegs waren.Ihre Anführer nannten sich selbst Herzöge - Grafen oder Woiwoden.Papst Martin V. Kaiser Sigismund und andere Fürsten des Reiches sicherten ihnen freies Geleit - Jagdrecht und eigene Gerichtsbarkeit zu.Andreas von Regensburg gilt als der älteste bayerische Chronist.Er wurde um 1380 geboren,und war ab 1401 Mönch - später Priester im Augustiner-Chorherrenstift St.Mang bei Regensburg wo er eine reichhaltige Tätigkeit als Chronist entfaltete.Der folgende Abschnitt (im Diarium Sexenale) beschreibt die Ankunft einer Gruppe im Jahre 1424: "Ebenso wanderte in diesen Zeiten ein gewisser Stamm der Cingari,gewöhnlich Cigäwnär genannt in unseren Laendern.Sie waren nahe bei Regensburg während andere ihnen nachfolgten.Einmal viele Weibsleute Männer und Kinder an die 300 Personen.Das andere Mal weniger.Dieses Volk schlug seine Zelte auf Feldern auf,den es war ihnen nicht erlaubt in den Städten zu wohnen.Es eignete sich nämlich den Besitz der anderen durch Diebstahl an.Dieses Volk soll aus den Gebieten Ungarns stammen,und man sagt es sei ausgewandert zum Zeichen und zur Erinnerung der Flucht des Herrn aus Ägypten als er vor dem Angesicht des Herodes floh der suchte um ihn zu töten.Im Volk wurde jedoch gesagt das sie heimliche Kunschafter im Lande seien.Auch hatte dieses Volk Briefe von König Sigismund,von deren einen ich den Inhalt den sie auf Papyrus hatten hier in die Chronik eingefügt habe". (Grönemyer R.Zigeuner im Spiegel früher Chroniken u.Abhandlungen) So heißt es in der entsprechenden Abschrift des Schutzbriefes Kaiser Sigismunds ausgestellt im April 1423 auf der Zipser Burg/Slowakei: (Die Echtheit des Originals gilt als wahrscheinlich, da der Kaiser zur genannten Zeit tatsächlich in der Zipser Burg residierte. (Katrin Reemtsma/ Sinti und Roma: Kultur, Geschichte, Gegenwart 1996/Dokument ist abgedruckt bei:   Gronemeyer, Reimer:Zigeuner   im   Spiegel   früher   Chroniken   und Abhandlungen/ Andere Geleitbriefe,die auf ihre Echtheit   untersucht wurden,befinden sich in unterschiedlichen deutschen Archiven (vgl. Bogdal, S. 33f)

„Wir Sigismund von Gottes Gnaden römischer König,allzeit Mehrer des Reiches König von Ungarn - Böhmen -Dalmatien Kroatien pp.Allen Flecken unserer Getreuen von Adel, Millitär, Befehlshabern, Beamten, Schlössern, offenen Flecken,Städten und ihren Richtern in unserem Reiche und in unserer Herrschaft unseren gnädigen Gruß zuvor.Unser Getreuer Ladislaus Waynoda Zigeuner nebst andere zu ihm gehörige, haben uns gehorsamst ersucht wir möchten sie unserer weitgehenden Gnade würdigen.Daher haben wir ihrem gehorsamen Gesuche willfahrend,ihnen diese Freiheit einräumen wollen.Darum - wen eben dieser Woiwode Ladislaus und sein Volk zu einer der genannten unsrigen Herrschaften,seien es Flecken oder Sädte gelangt so vertrauen wir ihn eurer Treue an und ordnen an ihr sollt auf diese Weise schützen den Woiwoden Ladislaus und die Zigeuner welche ihm Untertan sind ohne Hindernisse und Beschwehrnis hegen und erhalten.Ja sogar wollt ihr sie vor allen Unzuträglichkeiten und Ärgernissen schützen.Sollte sich aber unter ihnen irgendein Unkraut finden oder sich Wirren ereignen,es sei von welcher Seite es wolle - so sollt nicht ihr oder einer von euch sondern dieser Ladislaus der Woiwode das Recht haben zu strafen oder zu begnadigen.Gegeben in unserer herrschaftlichen Residenz am Tage vor dem Feste St.Georg des Märtyrers im Jahre des Herrn 1423 im 36.Jahre unseres Königtums in Ungarn - im 12.unseres römischen Kaisertums - im 3.unseres Königtums in Böhmen." (Vgl. Andreas (Presbyter aus Regensburg), Diarium Sexenale - in: Reimer Gronemeyer/Zigeuner im Spiegel früher Chroniken und Abhandlungen, S. 18ff). (Theodor Tetzner/1835)                                                                     

Die Bevölkerung stellte allerlei Vermutungen über die Herkunft des fremden Volkes an.Sie wurden für Juden - Nachfahren biblischer Heroen oder antiker Ketzer gehalten.Nach Faux de Foletier, geht die Bezeichnung Zigeuner auf den Namen einer griechischen Sekte den Atsinganen o.Atsinganoi zurück.Fähige Handwerker waren sehr begehrt,und die Schmiede der Sinti galten als Meister in der Herstellung u.bearbeitung von Waffen und Gebrauchsgütern aller Art.Daher wurden sie vom Adel protegiert,und mit Sonderrechten(Steuervergünstigungen) ausgestattet.Die Städte wurden verpflichtet reisende Zigeuner aufzunehmen,oder ihnen Geld zu zahlen um sich von der Aufnahme freizukaufen.Diese Privilegien erregten sehr bald den Neid der alteingesessenen Handwerkszünfte. Es begann eine Zeit schleichender Feindseligkeit und Verleumdung.Ein Zigeuner sei es gewesen der die Nägel zum Kreuz Christi geschmiedet habe, und Zigeuner hätten der heiligen Jungfrau auf ihrer Flucht nach Ägypten die Hilfe verweigert.Ohne Hilfe der Handwerkszünfte, konnte kein Handwerker in den mittelalterlichen Städten Fuß fassen.So blieb diesem Volk nur die Ausübung der als unehrenhaft geltenden Berufe,wie Gaukler Musiker Akrobat oder Puppenspieler.Der rastlos umherziehende Zigeuner war geboren,und hatte von nun an einen festen Platz in den Vorurteilen der bürgerlichen Gesellschaft.Auf den Reichsatgen in Lindau und Freiburg (1496/1498) wurde der Geleitbrief Kaiser Sigismunds offiziell für ungültig erklärt.Darüber hinaus, sollten sich alle Zigeuner unverzüglich "uß den landen teutscher nation entfernen" edictum-publikumWer sich diesem öffentlichem Befehl wiedersetzte,galt als vogelfrei. "Wen yemants mit der tate gegen innen zu handlen fürnemen würde,der soll daran nit gefrevelt noch unrecht getan haben".
 
Diese Vogelfreierklaerung eines gesamten Volkes,war absolut neu und einzigartig im Heiligen Roemischen Reich Deutscher Nation.Keine andere religioese oder gesellschaftliche Gruppe (auch die jüdische nicht) ist jemals so wie mitteleuropaische Sinti fuer vogelfrei erklaert und verfolgt worden. Mit den Edikten von 1496/1498 ging die relative Sicherheit dieses Volkes ein für alle mal zu Ende.Zigeuner wurden nun wegen Unglaeubigkeit (Kains Kinder) und Zauberei,als Tuerkenspione oder Unheilbringer verfolgt.Von 1497 bis 1774 sind nicht weniger als 146 Edikte gegen Zigeuner belegt.Sie wurden als Vogelfreie ausgewiesen,ausgepeitscht,gebrandmarkt,gefoltert und verbrannt. Besonders beliebt bei Adel und Bevoelkerung waren so genannte "Streifungen". Treibjagden, bei denen das Wild fluechtende Menschen in diesem Fall, Sintifamilien waren.So ist aus dem 17.Jahrhundert bei Aufzaehlung der Jagdbeute eines kleinen rheinischen Fürstentums,auch eine Zigeunerin mit Kind erwaehnt.Fuer jeden getoetetenZigeuner wurde eine Kopfpraemie von einem Speziesthaler gezahlt,so das sich auch die Landbevoelkerung an diesen Verfolgungen beteiligte.  (Bild oben rechts:cosmographie/1592) Übergriffe und Feindseligkeiten gegen "Zigeuner" waren an der Tagesordnung,und lassen sich über Jahrhunderte hinweg nachweisen.Bereits kurz nach ihrer Ankunft - Anfang des 15.Jahrhunderts wurden sie unter Gewaltanwendung vertrieben.1539 erfolgte die Vertreibung aus Paris - 1563 die Vertreibung aus England,mit Androhung der Todesstrafe.Bis in die frühe Neuzeit standen "Zigeuner" außerhalb des Gesetzes,und waren von der allgemeinen Rechtsprechung ausgeschlossen. Sinti u.Roma waren als „fahrendes Volk“ besonders der Willkür von Obrigkeit und Bevölkerung ausgesetzt.Tradierte Vorurteile setzten sich mehr und mehr durch.So verbreitete sich bald das Märchen Zigeuner würden Kinder entführen,was die Ausgrenzung dieser Minderheit weiter verschärfte. Im Laufe der Zeit kam es immer wieder zu Übergriffen der Bevölkerung. Morde waren dabei keine Seltenheit, und wurden in der Regel von der Obrigkeit nicht geahndet da Sinti u.Roma als vogelfrei galten.Ein Klima aus Hass Furcht und Vorurteilen war entstanden,das im 20.Jhd.in den Holocaust führen sollte. Am 14. und 15. November/23. und 24. November 1726, wurden in Gießen an der Marburger Straße (Bild oben) Mitglieder einer soganannten "Zigeunerbande" gerädert, gehenkt und enthauptet. Der Gerichtsassessor Weissenbruch schrieb auf Grundlage der Verhöre eine Geschichte der Zigeuner die unten als PDF Dokumente eingesehen werden kann.

Dokument 1

Dokument 2 - Bilder

 

Der Galgen von Beerfelden (Wikipedia/Fotoarchiv) ist der größte und besterhaltene im Bundesgebiet,wenn nicht sogar in Europa.Der Galgen wurde 1597, also noch vor dem 30-jährigen Krieg, anstelle eines Holzgalgens errichtet und war somit im Jahre 2007 410 Jahre alt.Die letzte Hinrichtung fand laut Überlieferung 1804 statt. Die Delinquentin soll eine Zigeunerin gewesen sein, die für ihr krankes Kind ein Huhn und zwei Laib Brot gestohlen hatte.Die genannte Zigeunerin soll auf ihrem letzten Weg furchtbar geschrieen und geflucht haben, weil das Volk am heißesten Sommertage stürmisch bergauf drängte und es ihr gar nicht pressierte .... Sie sei ja die Hauptperson bei dem Spektakel, der Henker solle ja nur ruhig warten, bis er blau würde, er bekäme es ja bezahlt, und das Volk würde noch genug sehen für sein Geld ... "Bevor ich nicht oben bin, geht's noch nicht los!"  

Staatsbibliothek Berlin - Zigeuner und Betler

Waren die Sinti Mitteleuropas immer nur Opfer oder griffen sie zu mancher Zeit auch aktiv in die Geschichte ein? Friedrich Opfermanns an der Universität Siegen vorgelegte Dissertation Seye kein Ziegeuner,sondern kayserlicher Cornet":Sinti im 17.und 18. Jahrhundert hatt der Metropol Verlag/Berlin 2007 in Buchform herausgebracht.Der Inhalt basiert auf "archivarischen Quellen" aus 27 Archiven.Ausdrücklich zu loben ist die Interpretation dieser Quellen durch den Autor. Stammen doch beinahe alle Berichte über Sinti von Nicht-Sinti (im Sinti-Romanes "Gadsche" genannt), die den "Zigeuner" von Außerhalb betrachteten und diesem Volk gegenüber äußerst feindselig eingestellt waren. Ihr Fremdbild war ein antiziganistisches Feindbild. Dennoch lässt die akribische Spurensuche Opfermanns Rückschlüsse auf das wirkliche Verhalten der Sinti zu, die meist Opfer der Verfolgung waren, aber manchmal auch aktiv in verschiedene Geschichtsprozesse eingegriffen haben. Dies keineswegs nur von außerhalb, sondern auch innerhalb der Mehrheitsgesellschaft mit der sie manches verband aber auch vieles trennte. Dies ist das wesentliche Ergebnis dieser Arbeit, das diejenigen erstaunen wird, die sich "Zigeuner" immer noch als ständig herumziehende heimatlose Nomaden vorstellen. Tatsächlich ist manchen Sinti der soziale Aufstieg und Aufnahme in die Mehrheitsgesellschaft gelungen.Vor allem als Soldaten und Offiziere beziehungsweise Söldnerführer,die von ihren neuen Berufs- und Standesgenossen absolut akzeptiertwurden.Galten sie nun als gewesene oder pardonierte Zigeuner, weil sie ihren einstigen Habitus abgelegt hatten und zu ordentlichen Christenmenschen geworden seien.Opfermann ist weit entfernt davon, hier eine goldene Zigeuner-Epoche wahrzunehmen oder zu konstruieren. Er weist auch detailliert und quellennah nach, das gleichzeitig andere Sinti u.Roma nicht pardoniert sondern grausamsten Verfolgungen ausgesetzt waren. Denjenigen, die sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts Räuberbanden angeschlossen hatten oder weiter als Händler Puppenspieler und Akrobaten eben nach "zigeunerart umherzogen" wurde kein Pardon gegeben. Neben einer gewissen Duldung, gab es also auch immer Repression und Verfolgung durch die Merheitsgesellschaft. Überdies war die Zeit der partiellen Duldung, spätetstens mit Ende der privatwirtschaftlichen Söldnerheere vorbei.Mit und durch die Einführung der stehenden Heere (deren Soldaten nicht angeworben sondern rekrutiert wurden/deren Offiziere aus dem Adel stammten) verloren auch die pardonierten "Zigeuner" ihre Position als Angehörige der geachteten und gefürchteten Kriegerkaste. Zusammen mit den übrigen Familienmitgliedern nahmen sie am Verarmungs- und Verelendungsprozess der Landbevölkerung teil. Wurden also wieder "Zigeuner" die sich auf ihre Familienverbände zurückzogen,ihre Sinti-Kultur lebten und Romanes sprachen.Letzteres ist besonders wichtig.Der ohne Zweifel nicht nur bei den Juden,sondern auch bei "Zigeunern" zu beobachtende Anpassungsprozess hatt bei den Sinti Mitteleuropas niemals zur Aufgabe ihrer kulturellen und ethnischen Identität geführt.Gauner oder Ziehende-Gauner, waren "Zigeuner" oft nur in den Augen der ihnen feindlich gegenüber stehenden Obrigkeit und Teilen der Bevölkerung.Selten in der Realität.

Millitär und ländliche Gesellschaft

 DIE VERFOLGUNGEN UNTER KARL VI

In einer Epoche in der Barock u.Rockoko ihre höchste Prachtentfaltung erlebten, in der großartige Bauten entstanden (Karlskirche, Stift Melk), in der Johann Sebastian Bach wirkte - Gedanken der Aufklärung und des Humanismus verbreitet wurden, ging man unglaublich brutal und unmenschlich gegen Sinti o.Roma vor. Karl VI. (1711-1740), der Vater von Maria Theresia, war römisch-deutscher Kaiser und König von Ungarn. Er musste verschiedene außenpolitische Niederlagen hinnehmen (Verzicht u.a. auf Spanien, Serbien, die kleine Walachei), konnte aber mit seinem Feldherrn Prinz Eugen von Savoyen auch zahlreiche Siege verzeichnen. Der Bau der Karlskirche erfolgte auf seinen Auftrag hin. Er war jener Herrscher, der Sinti o. Roma am schlimmsten verfolgte. 1720 bestimmte eine kaiserliche Verordnung Karls VI. die Ausrottung der "Zigeuner und jeglichem liederlichen Gesindel Österreichs". 1725 erließ Kaiser Karl VI. die Verordnung das alle Zigeuner gefangen genommen werden sollten. Diejenigen die Straftaten begangen hätten, sollten hingerichtet werden die anderen mit einem Brandzeichen am Rücken gekennzeichnet und unter Androhung der Enthauptung bei einer Rückkehr  über die Grenzen abgeschoben werden. Diese Anordnung wurde in allen österreichischen Gebieten vollzogen. 1726 ordnete Karl VI. an alle männlichen Zigeuner hinzurichten, und den Frauen sowie Kindern unter 18 Jahren ein Ohr abzuschneiden (Mayerhofer 1987 S.29). Daher flüchteten viele Roma nach Ungarn - viele Sinti in das angrenzende Bayern u.Böhmen,weil sie glaubten dass die adeligen Fürsten ihnen dort Schutz bieten konnten. Es wurden Warntafeln für Zigeuner errichtet, auf denen die Strafen abgebildet waren falls die österreichischen Landesgrenzen überschritten wurden. Diese Warntafeln wurden als "Zigeunerpflöcke" (Bild links) bezeichnet.Solche Warntafeln wurden auch an der steirisch-ungarischen Grenze/Bayern u.a.Fürstentümern aufgestellt. 1748 wurde in der Herrschaft Esterhazy/Ungarn angeordnet: "In den fürstlichen Ortschaften sollen weder ungarische, noch deutsche Zigeuner geduldet werden. Bei Zuwiderhandeln soll der Ortsrichter zur Verantwortung gezogen werden und selbst eine Strafe von 12 Gulden erlegen, wenn er Zigeuner nur eine Stunde lang in der Nähe des Dorfes oder Marktes dulde" (ebd.: 29) Als Folge dieses Rundschreibens war nun die Bevölkerung auch im westungarischen heute burgenländischen Raum so aufgewiegelt, das sie sich an der Vertreibung der Roma u.Sinti beteiligte.Diese ungemein grausamen Verfolgungen wurden als "Zigeunerjagden" (Baumgartner 1995 S.116) ezeichnet und sind in historischen Dokumenten oft als abenteuerliches Ereignis überliefert.Beispielhaft (auch für andere Feudalherrscher) war die Assimilationspolitik Kaiserin Maria-Theresias. In ihrem Bestreben aus den Roma seßhafte  "Neubauern" zu machen, erließ die Kaiserin von Österrich-Ungarn in ihrer Regierungszeit (1740-1780) insgesamt vier entsprechende Edikte durch die Sinti u.Roma gezwungen werden sollten ihre bisherige Lebensweise aufzugeben (Baumgartner 1991 S.141).Die erste Verordnung (1758) verpflichtete die "Zigeuner" dazu, sich niederzulassen. Um sie am "Nomadisieren" zu hindern, wurde ihnen der Besitz von Pferden und Kutschen untersagt. Weiters wurde den Roma Land und Saatgut zugeteilt, aus dessen Erträgen sie ebensolche Abgaben zu leisten hatten wie die anderen Untertanen. Sie sollten sich Häuser bauen und ihre Dörfer nur mehr mit ausdrücklicher Erlaubnis und genauer Zielangabe verlassen.

Zigeunerverfolgung in Deutschland


 Bilddokumente/Quellenhinweise von unten nach oben

Verwendete und weiterführende Literatur
Fraser, Angus (1992) The Gypsies. Oxford.
Gilsenbach, Reimer (1998) Weltchronik der Zigeuner. 2500 Ereignisse aus der Geschichte der Roma und Sinti, der Luri, Zott und Boza, der Athinganer, Tattern, Heiden und Sarazenen, der Bohémiens, Gypsies und Gitanos und aller Minderheiten, die "Zigeuner" genannt werden. Teil 1: Von den Anfängen bis 1599 (= Studien zur Tsiganologie und Folkloristik 10), Frankfurt.Hancock, Ian (1987) The Pariah Syndrome. An Account of Gypsy Slavery and Persecution, Ann Arbor.Kenrick, Donald (1998) Sinti und Roma: Von Indien bis zum Mittelmeer. Die Wanderwege der Sinti und Roma (Interface Collection 3), Berlin.Reemtsma, Katrin (1996) Sinti und Roma. Geschichte, Kultur, Gegenwart, München.Vossen, Rüdiger (1983) Zigeuner. Roma, Sinti, Gitanos, Gypsies zwischen Verfolgung und Romantisierung, Hamburg.1 Originalliste der nach Nagygencs deportierten Kinder. Doppelbild-Kaiserliches Patent - Die Ausrottung Deren in dem Land hin und wieder streiffenden Zigeuner 1722/ Signatur FB3948 /   Doppelbild - Heidenstock Wikipedia Zigeunerverbotstafel Wied-Runkel, 1765, Text: Zugeiner und Zusammen Gerotteter Vagabonten straffe - Graz Landesmuseum Joanneum / Reiteroffiziere Jaqcues Callot Bohémiens Quelle:Wikipedia/ Galgen von Beerfelden Quelle:Wikipedia/ Hinrichtung einer Zigeunerbande Quelle:Digitales Archiv Uni Marburg/ Auszug aus Sebastian Münsters "Cosmographie" mit dem Kapitel über "Zigeuner oder Heiden", 1550 /Einzelblatt Privat / Geleitbrief König Friedrichs III. für Graf Michel vom 15. April 1442 Quelle: Gilsenbach 1994 S.81 / Zigeuner" kommen 1414 nach Bern (Miniatur aus der Spiezer Chronik des 15. Jahrhunderts, Quelle: Burgerbibliothek Bern) / Warntafeln für Zigeuner v.Tor der Harburg, Quelle:Strafjustiz in alter Zeit Kriminalmuseum Rothenburg ob der Tauber 1980 /